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RATGEBER · ONLINE-DATING

Fotos fürs Dating-Profil: Warum das schönste Bild das falsche sein kann

Warum das Bild, das die meisten Zuschriften bringt, oft die falschen Menschen anzieht.

8 Minuten
Frau in rotem Shirt sitzt entspannt auf einer Brücke im Abendlicht, Beispiel für Fotos fürs Dating-Profil
Zwei Sekunden entscheiden. Gelesen wird danach.

Zwei Sekunden. So lange schaut jemand auf dein Profilbild, bevor er weiterwischt oder bleibt. In dieser Zeit hat er kein Wort von dir gelesen.

Das ist keine neue Erkenntnis. Neu ist, was die meisten daraus machen: Sie suchen das Bild, auf dem sie am besten aussehen. Und liegen damit falsch.

Zwei Sekunden entscheiden, aber nicht über das, was du denkst

Wenn ich mit Selbstständigen über ihr Businessfoto spreche, nehme ich seit Jahren dasselbe Bild zur Hilfe: Stell dir vor, du schaust ein Dating-Profil an. Nach zwei Sekunden weisst du Bescheid.

Beim Dating-Profil ist das keine Metapher mehr. Es ist die Sache selbst. Und die Mechanik dahinter ist dieselbe: Dein Bild beantwortet eine Frage, bevor sie jemand stellt. Die Frage lautet nicht «Sieht diese Person gut aus». Sie lautet «Ist das jemand für mich».

Wer auf das erste optimiert, bekommt Antworten auf das erste. Und sitzt dann jemandem gegenüber, mit dem ihn nichts verbindet ausser einem Bild, das gefallen hat.

Der Moment, in dem das Bild nicht mehr passt

Es gibt eine Szene, die jeder kennt, der auf einem Portal unterwegs war.

Zwei Wochen Kontakt. Ihr habt geschrieben, ihr habt euch die Bilder angeschaut. Dann sitzt ihr euch im Café gegenüber, und du suchst im Gesicht deines Gegenübers nach dem Menschen von der Plattform. Er ist da, irgendwie. Nur älter. Schwerer. Anders.

Was in diesem Moment passiert, ist keine Enttäuschung über das Aussehen. Es ist etwas Schlimmeres: Du weisst jetzt, dass dir jemand ein Treffen abgerungen hat, das er anders nicht bekommen hätte. Der Abend ist entschieden, bevor der Kaffee kommt. Du bleibst vielleicht sitzen, aus Höflichkeit. Aber du weisst es schon.

Und jetzt dreh die Szene um.

Auf welchem deiner Bilder bist du der Mensch, der dort ankommt?

«Nicht schöner als in Wirklichkeit»

Ich höre diesen Satz in Gesprächen immer wieder, meistens unaufgefordert und ohne Zögern.

Das ist bemerkenswert. Menschen, die zum Fotografen gehen, um sich auf einem Partnerportal zu zeigen, wollen mehrheitlich nicht besser aussehen. Sie wollen erkennbar sein. Die Angst ist nicht, zu wenig herzugeben. Die Angst ist, etwas zu versprechen, das beim ersten Treffen nicht da ist.

Deshalb geht jedes Angebot an dieser Zielgruppe vorbei, das mit «strahlender» oder «schöner» wirbt. Der Massstab ist ein anderer: Erkennt dich jemand, der dich noch nie gesehen hat, wenn er dir gegenübersitzt?

Ein Bild, das diesen Test besteht, ist mehr wert als zehn, die schmeicheln.

Warum du dein eigenes Bild nicht beurteilen kannst

Du schaust dein Foto an und siehst den Tag mit. Das Licht. Die Frisur, die nicht sass. Den Gedanken, der dir im Kopf herumging. Die Falte, die dir seit Jahren auffällt und sonst niemandem.

Dein Gegenüber sieht nichts davon. Er sieht ein Gesicht und entscheidet in Millisekunden.

Das ist der Grund, warum die Bildauswahl für das eigene Profil so schwer ist. Du beurteilst nicht die Wirkung, du beurteilst die Erinnerung. Und deshalb landen so oft die Bilder oben, auf denen man sich selbst am wenigsten stört, statt jene, auf denen man am deutlichsten zu erkennen ist.

Es gibt einen einfachen Test dagegen. Zeig deine drei Favoriten jemandem, der dich nicht kennt, und stell genau eine Frage: Was ist das für ein Mensch? Dann hör zu und sag nichts.

Was passiert, bevor eine Kamera dabei ist

Wer bei mir Bilder für ein Portal machen lässt, kommt nicht zuerst vor die Kamera. Er kommt zuerst ins Gespräch.

Eine Stunde, online. Ich frage nach Momenten, nicht nach Wünschen: Wann warst du zuletzt stolz. Wo bist du am liebsten. Was bringt dich morgens ohne Wecker aus dem Bett. Wen willst du ausdrücklich nicht anziehen.

Am Ende steht kein Gefühl, sondern ein Bauplan. Bei einem Gespräch dieses Sommers sah er so aus:

  • Orte: draussen, am Wasser oder am Waldrand. Kein Studio, kein gepflegter Stadtpark.
  • Licht: weiches Tageslicht, früh am Tag oder bei bedecktem Himmel. Kein Blitz.
  • Kleidung: bequem und gepflegt zugleich, Erdtöne. Kein Businesslook, kein Trend-Outfit.
  • Haltung: offen statt posiert. Ein kurzes echtes Lachen zählt mehr als zehn perfekte Porträts.
  • Bewusst nicht: kein Glamourlicht, keine Filter, keine Bearbeitung, die die Haut zu makellos macht.

Jede dieser Zeilen ist eine Entscheidung, die am Shooting-Tag nicht mehr diskutiert werden muss. Und jede sortiert vor, wer sich später meldet.

Woran ein Shooting scheitert

Fast jeder, der zu mir kommt, hat schon eines hinter sich, das nicht funktioniert hat. Die Beschreibungen ähneln sich so sehr, dass daraus eine Liste geworden ist.

Niemand führt. Wer sich nicht wohl vor der Kamera fühlt, braucht jemanden mit Ideen. Ein «Setz dich mal auf den Stuhl» ist keine Idee.

Es gibt keine Zwischenkontrolle. Wenn du zwei Stunden lang nicht siehst, was entsteht, sind zwei Stunden verloren, falls es nicht stimmt. Ich zeige zwischendurch. Immer.

Es gibt nur eine Facette. Ein Mantel an, ein Mantel aus, eine Bank. Das ist kein Shooting, das ist eine Aufnahme.

Der Zeitpunkt stimmt nicht. Nebel im Januar, ein Kopf voller Sorgen. Man sieht es auf jedem Bild.

Am Schluss heisst es, mehr sei nicht drin. Das ist der Satz, nach dem niemand mehr wiederkommt.

Was die Portale tatsächlich verlangen

Bevor du überlegst, welches Bild dir gefällt: Manche kommen gar nicht erst durch. Die Premium-Portale prüfen jedes Bild von Hand, und sie lehnen ab.

Bei Parship, im deutschsprachigen Raum dem grössten dieser Portale, gilt:

  • Zehn Bilder, alle werden geprüft.
  • Keine Sonnenbrille auf dem Profilbild. Die Augen müssen sichtbar sein. Ein Bergfoto mit Brille wird abgelehnt, auch wenn das Gesicht gut zu erkennen ist.
  • Keine Gruppenfotos mit erkennbaren Personen.
  • Ein Selfie ist erlaubt, als Profilbild aber schwach.
  • Keine auffällige Bearbeitung, keine Filter.

ElitePartner prüft jedes Profil von Hand und hat mit rund siebzig Prozent Akademikeranteil das engste Publikum. Nicht freigeschaltet werden Gruppenfotos, Bilder mit Kindern, unscharfe Schnappschüsse, Selfies mit Filter und alles, was das Gesicht unkenntlich macht. Empfohlen sind mindestens drei Bilder: ein Porträt, auf dem du klar zu erkennen bist, dazu zwei, die dich bei etwas zeigen, das du gern tust.

Bei eDarling und Academic Singles läuft es nach demselben Muster.

Zehn Plätze sind mehr, als die meisten füllen können, und weniger, als man denkt. Drei bis fünf gute Bilder in verschiedenen Umgebungen wirken stärker als zehn ähnliche. Zehn Varianten desselben Moments sagen vor allem eines: dass du dich nicht entscheiden konntest.

Was ein Bild erzählt, das du gar nicht sagen wolltest

Jedes Bild sendet mehr als ein Aussehen. Es sendet eine Botschaft, und die kommt an, ob du sie gemeint hast oder nicht.

Der Klassiker ist das Auto. Wer sich vor einem Wagen ablichten lässt, der ihm nicht gehört, sagt nicht «ich mag schöne Autos». Er sagt «ich hätte gern eines».

Beim Hund ist es feiner. Ein Hund auf dem Bild zieht Hundemenschen an und hält Allergiker fern, und beides ist gut so. Aber wenn es der letzte Hund ist und danach keiner mehr kommen soll, dann verspricht das Bild ein Leben, das du gar nicht mehr führen willst.

Genau darum geht es beim Aussortieren: Nicht möglichst viele sollen sich melden. Die Richtigen sollen sich melden, und die Falschen sollen gar nicht erst anfangen.

Die andere Hälfte: dein Profiltext

Das Bild öffnet die Tür. Hindurch geht jemand erst, wenn der Text hält, was das Bild angedeutet hat.

Hier scheitern ausgerechnet die, die es können sollten. Menschen, die beruflich komplexe Dinge verständlich erklären, stehen ratlos vor drei Sätzen über sich selbst. Ich habe einmal einem Ingenieur geholfen, seinen Steckbrief auszufüllen. Aus dieser Anmeldung wurde eine Ehe.

Der Grund für die Ratlosigkeit ist selten fehlendes Schreibtalent. Es ist fehlendes Material. Wer nie sortiert hat, was ihn ausmacht, schreibt am Ende das, was alle schreiben: nett, humorvoll, unternehmungslustig. Austauschbar, und deshalb unsichtbar.

Genau hier liegt der zweite Nutzen des Gesprächs. Nach dem Werte-Talk bekommst du eine schriftliche Zusammenfassung: deine Werte, wen du anziehst, wen ausdrücklich nicht, und woran man das erkennt. Das ist zuerst der Bauplan für deine Bilder. Es ist aber genauso die Rohfassung für dein Profil.

Und dort steht dann nicht mehr «reise gern». Dort steht der Satz, der dir im Gespräch selbst aufgefallen ist, weil du ihn vorher so nie über dich gedacht hattest. Das ist der Unterschied zwischen einem Profil, das jemand überfliegt, und einem, bei dem jemand hängen bleibt.

Was es kostet

Transparent, damit du rechnen kannst.

Der Werte-Talk: CHF 150. Eine Stunde online. Danach weisst du, wofür deine Bilder stehen sollen, und hast die Leitplanken schriftlich. Auch dann, wenn du nie ein Shooting buchst.

Das Shooting: CHF 300 pro Reportagenstunde. Darin steckt eine Stunde vor Ort und eine Stunde Aufbereitung, denn ein Bild ist mit dem Auslösen nicht fertig.

Empfehlung: zwei Stunden, CHF 600 pauschal, Bildaufbereitung eingeschlossen. Weniger lohnt sich selten, weil die ersten zwanzig Minuten immer Ankommen sind. Du bekommst daraus in der Regel 150 bis 200 fertige Bilder, nicht eine Auswahl von fünf.

Ausserhalb der Region kommen CHF 50 pro Autostunde und 85 Rappen pro Kilometer dazu. Alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer. Das Studio ist in Uster, gut zwanzig Minuten ab Zürich Hauptbahnhof, aber für Portalbilder sind wir ohnehin meistens draussen.

Die Kurzfassung

  • Zwei Sekunden entscheiden, und zwar über Zugehörigkeit, nicht über Schönheit.
  • Der Massstab ist nicht «schöner», sondern «erkennbar».
  • Dein eigenes Urteil über deine Bilder ist das unzuverlässigste, das es gibt.
  • Drei bis fünf verschiedene Bilder schlagen zehn ähnliche.
  • Keine Sonnenbrille, keine Gruppenbilder, keine Filter. Sonst lehnt das Portal ab.
  • Erst klären, wofür du stehst. Dann fotografieren.

Häufige Fragen zu Fotos fürs Dating-Profil

Was kostet ein Fotoshooting für Fotos fürs Dating-Profil?

Eine Reportagenstunde kostet CHF 300. Darin steckt eine Stunde fotografieren und eine Stunde Aufbereitung. Empfohlen sind zwei Stunden zu CHF 600 pauschal, inklusive Bildaufbereitung, daraus entstehen in der Regel 150 bis 200 fertige Bilder. Davor steht der Werte-Talk für CHF 150. Alle Preise zuzüglich Mehrwertsteuer.

Wie läuft ein Shooting für Dating-Fotos bei Alex Lörtscher ab?

Am Anfang steht ein Gespräch, kein Termin im Studio. Im Werte-Talk klärt Alex Lörtscher mit dir in 60 Minuten via Zoom, wofür du stehst und was deine Bilder zeigen sollen. Danach wird an einem Ort fotografiert, der zu dir passt, meistens draussen. Du siehst während des Shootings Zwischenergebnisse, nicht erst am Schluss.

Gibt es in der Region Zürich einen Fotografen für Dating-Fotos?

Alex Lörtscher arbeitet von Uster im Zürcher Oberland aus, gut zwanzig Minuten ab Zürich Hauptbahnhof. Für Portalbilder wird meistens draussen fotografiert, am Wasser oder im Wald. Ausserhalb der Region kommen CHF 50 pro Autostunde und 85 Rappen pro Kilometer dazu.

Welche Bilder lehnen Parship und ElitePartner ab?

Beide Portale prüfen jedes Bild. Abgelehnt werden Sonnenbrillen und alles, was das Gesicht unkenntlich macht, Gruppenfotos mit erkennbaren Personen, unscharfe Schnappschüsse und Selfies mit Filter. ElitePartner schaltet zusätzlich keine Bilder mit Kindern frei. Bei Parship kannst du zehn Bilder hochladen, ElitePartner empfiehlt mindestens drei.

Wie viele Fotos gehören in ein Dating-Profil?

Drei bis fünf Bilder in verschiedenen Umgebungen. Eines davon ist ein klares Porträt mit sichtbaren Augen, die übrigen zeigen dich bei etwas, das du wirklich tust. Zehn ähnliche Bilder wirken schwächer als vier verschiedene: Sie sagen vor allem, dass du dich nicht entscheiden konntest.

Ist ein professionelles Foto beim Online-Dating ehrlich?

Ja, solange es dich zeigt und nicht eine Rolle. Unehrlich wird ein Bild dort, wo es etwas verspricht, das beim ersten Treffen nicht da ist. Wer sein Gegenüber im Café nicht wiedererkennt, hat sein Urteil schon gefällt, bevor der Kaffee kommt. Ein gutes Porträt macht dich nicht zu jemand anderem, es macht dich erkennbar.

Merkt man einem Profilbild an, dass es von einem Fotografen ist?

Bei einem guten Bild fällt es niemandem auf, und genau darum geht es. Was an Studiobildern stört, ist selten die Qualität, sondern die Pose: das aufgesetzte Lächeln, der Blick knapp an der Kamera vorbei, der Hintergrund aus dem Katalog. Ein Bild, das nach dir aussieht, wirkt einfach nach dir.

Reicht ein gutes Handyfoto fürs Dating-Profil?

Für eines von mehreren ja, für das erste selten. Aktuelle Smartphones lösen technisch gut genug auf. Was ihnen fehlt, ist der Blick von aussen: Du fotografierst dich so, wie du dich siehst, und das ist genau die Perspektive, die dein Gegenüber nicht hat.

Was ist mit KI-generierten Profilbildern?

Sie sind das Gegenteil von dem, wozu ein Profilbild da ist. Ein Dating-Profil hat eine einzige Aufgabe: den Moment vorbereiten, in dem sich zwei Menschen gegenübersitzen. Ein Bild, das eine Person zeigt, die es nicht gibt, verschiebt die Enttäuschung nur auf später. Dazu lehnen die Portale auffällige Bearbeitung ohnehin ab.

Kann ich mein LinkedIn-Businessfoto fürs Dating-Profil nehmen?

Meistens passt es schlecht, und die Qualität ist selten der Grund. Ein Businessfoto beantwortet die Frage «Kann ich dieser Person fachlich vertrauen». Ein Dating-Profil beantwortet «Möchte ich diesen Menschen kennenlernen». Zwei verschiedene Fragen, zwei verschiedene Bilder. Wer das eine für das andere nimmt, wirkt korrekt und unnahbar.

Wie alt darf ein Profilbild sein?

Nicht älter als zwei Jahre. Das ist kein Studienergebnis, sondern breiter Konsens in der Branche. Die Rechnung dahinter ist einfach: Je grösser der Abstand zwischen Bild und Mensch, desto grösser der Moment der Korrektur beim ersten Treffen. Und genau dieser Moment entscheidet über alles, was danach kommt.

Landen meine Bilder irgendwo öffentlich?

Nein. Bilder aus privaten Shootings gehören dir. Alex zeigt sie weder auf fotoalex.ch noch in sozialen Medien, ausser du gibst sie ausdrücklich frei. Auch dieser Beitrag zeigt niemanden, der für seine Partnersuche fotografiert wurde.

Alex Lörtscher
Fotograf, Mentor, Inhaber Starwin GmbH, Uster

Alex Lörtscher ist Fotograf, Mentor und Inhaber der Starwin GmbH in Uster. Er fotografiert Menschen, die sich zeigen wollen, ohne sich zu verstellen, beruflich wie privat.

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