Du stehst vor dem Spiegel, die Zahnbürste im Mund. Jeden Morgen dasselbe Gesicht, im gleichen Licht, von der gleichen Seite. Und seitenverkehrt.
Dann schickt dir jemand ein Foto vom Familienfest. Und du denkst: Bin das wirklich ich?
Keine Sorge. Mit dir ist alles in Ordnung.
Auf dem Foto siehst du dich zum ersten Mal so, wie andere dich sehen. Wie deine eigene Stimme auf einer Sprachnachricht: Sie gehört dir, und trotzdem klingt sie fremd.
Ich kenne das gut. Ich fotografiere Menschen, seit ich zum 16. Geburtstag eine Kamera bekommen habe. Und ich finde mich selbst nicht fotogen.
Auf Fotos entdecke ich graue Haare, die mir im Spiegel nie auffallen. Dann suche ich nur noch die grauen Haare. Und vergesse zu strahlen.