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ARBEITSMARKT UND SICHTBARKEIT

Stellensuche ab 50: Was hilft, wenn niemand mehr antwortet

Die Schweiz hat kein Gesetz gegen Altersdiskriminierung. Was sie hat, sind Menschen, die ihr Geburtsdatum aus dem Lebenslauf streichen. Warum das nicht funktioniert und was stattdessen wirkt.

9 Minuten
Stellensuche ab 50: Hand hält in einer Menschenmenge eine Karte mit der Aufschrift Schön dass es dich gibt
Der Satz, den im Bewerbungsverfahren niemand sagt.

Auf einem Schweizer Stellenportal steht gerade dieser Satz: «Idealalter zwischen 35 und 45.» Eine Beraterfirma in Basel sucht damit einen Senior Consultant. Senior. Zwischen 35 und 45.

Ein anderes Unternehmen formuliert es freundlicher: «junges, dynamisches Team mit gutem Zusammenhalt». Ein drittes beschreibt seine Leute als «multikulti Digital Natives».

Du musst das nicht entschlüsseln. Du liest es und weisst, dass du nicht gemeint bist.

Die zwei Zahlen, die den Unterschied beschreiben

In der Schweiz dauert die Stellensuche ab 50 im Schnitt 7,3 Monate. Bei unter 30-Jährigen ist es weniger als die Hälfte. Wer dann eine Stelle findet, verdient im Schnitt 14 Prozent weniger als vorher.

Nachzulesen im Tages-Anzeiger von Anfang Oktober 2026.

Und noch eine, die wehtut, weil sie nicht von Absagen handelt: Rund die Hälfte aller Stellensuchenden hat schon erlebt, dass auf eine Bewerbung gar nichts kam. Bei einem Viertel passiert das regelmässig. Am häufigsten trifft es die über 50-Jährigen.

Nicht die Absage ist das Schlimmste. Das Schweigen ist es.

Der Satz, den du dir selbst sagst

Es gibt einen Gedanken, der kommt leiser als jede Absage und bleibt länger.

Ich kann ja sonst nichts.

Vielleicht hast du ihn noch nie laut gesagt. Aber er sitzt da, wenn du ein Bewerbungsformular ausfüllst und beim Feld «weitere Kenntnisse» der Cursor blinkt. Er sitzt da, wenn jemand am Familientisch fragt, ob du nicht etwas ganz anderes machen willst, und du hörst dich sagen: In meinem Alter.

Der Gedanke hat einen nachvollziehbaren Grund. Du machst wahrscheinlich seit vielen Jahren dasselbe, und du machst es gut. Genau das ist das Problem: Wer lange etwas kann, hört irgendwann auf zu merken, dass er es kann. Es fühlt sich nicht mehr nach Können an. Es fühlt sich nach normal an.

Und weil es sich nach normal anfühlt, fällt es dir nicht ein, wenn du aufschreiben sollst, was du kannst.

Was hast du gemacht, als es noch niemand bezahlt hat

Wenn du an dieser Stelle feststeckst, hilft kein Kompetenzprofil. Es hilft ein Rückschritt, und zwar weit zurück.

Denk an die Zeit, bevor irgendjemand Erwartungen an dich hatte. Vor dem ersten Lohn, vor der ersten Verantwortung, vor der ersten Stellenbeschreibung. Was hast du damals gemacht, einfach weil es dich gepackt hat? Woran hast du einen Samstagnachmittag verloren, ohne dass es jemand verlangt hat?

Es gibt dazu einen Satz, der auf Englisch besser klingt als auf Deutsch:

«Pick something you would do for free, and you will never have a sad day.»

Bei mir war es die Fotografie. Mein erstes kleines Geschäft hatte ich mit fünfzehn. Niemand hat mich darum gebeten. Es hat mich einfach nicht losgelassen.

Dreissig Jahre später ist genau daraus mein Beruf geworden. Nicht, weil ich es geplant hätte. Sondern weil in diesen frühen Sachen etwas liegt, das nicht veraltet: Es ist das Einzige, was du tust, ohne dass dich jemand motivieren muss.

Das ist kein Hobby-Romantizismus. Das ist der einzige Nährboden, auf dem eine Geschäftsidee wächst, die du auch dann noch verfolgst, wenn es drei Monate lang anstrengend ist.

Was passiert, wenn du dein Alter versteckst

Zurück zur Bewerbung, denn dort wird gerade das Gegenteil empfohlen.

Es gibt dafür inzwischen einen Namen. «Ageless Resume» heisst der Trend aus den USA: Foto weg, Geburtsdatum weg, die ersten zehn Berufsjahre weg. Bewerbungsratgeber empfehlen das offen.

Es funktioniert nicht. Aus zwei Gründen, und beide kommen nicht von mir.

Der erste ist technisch. Bewerbungssysteme zerlegen einen Lebenslauf in Sekunden und ziehen Jahreszahlen heraus. Kurt Pärli, Arbeitsrechtsprofessor in Basel, sagt es so: Wenn im Dossier noch «Lizenziat» statt «Master» steht oder das Jahr des Lehrabschlusses sichtbar ist, erkennen Computer und Personalabteilung die Altersgruppe sofort.

Der zweite Grund ist menschlich und wiegt schwerer. Corina Zingg bildet in der Schweiz Leitende von Bewerbungskursen aus. Ihr Satz dazu: «Wenn das Geburtsdatum fehlt, fragen sich HR-Leute sofort: Ist da etwas dubios?»

Du nimmst also das Foto raus und streichst die Auszeichnungen, auf die du stolz bist. Und am anderen Ende sitzt jemand, der sich fragt, was du zu verbergen hast.

Das ist die eigentliche Falle. Nicht dein Jahrgang. Die Lücke, die entsteht, wo er stand.

Die drei Sätze, die auf der anderen Seite gedacht werden

Personalverantwortliche scannen Dossiers unter Zeitdruck. Nicht auf der Suche nach Potenzial, sondern nach einem schnellen Grund, den Stapel kleiner zu machen. Drei Gedanken tauchen dabei immer wieder auf.

«Der ist festgefahren.» Zwölf Jahre beim selben Arbeitgeber gelten nicht als Treue, sondern als Risiko. Eine Firmenkultur, eine Denkweise, keine Wechselerfahrung.

«Der kann das Digitale nicht.» Stehen keine aktuellen Werkzeuge im Lebenslauf, entsteht der Eindruck, du hättest die letzten Jahre nicht mitbekommen. Niemand prüft das nach. Es wird einfach angenommen.

«Der lässt sich von Jüngeren nichts sagen.» Wer früher ein Team geführt hat und sich jetzt auf eine Fachstelle bewirbt, löst diesen Reflex aus. Oder den anderen: nach drei Monaten unterfordert.

Corina Zingg sagt dazu etwas Faires: In Einzelfällen stimmen diese Bedenken. Wenn sich jemand seit zwanzig Jahren nicht weitergebildet hat, zum Beispiel. Das Problem ist nicht der Gedanke, sondern dass er pauschal auf alle angewendet wird.

Und hier liegt der Hebel. Du kannst nicht verhindern, dass diese drei Sätze gedacht werden. Du kannst dafür sorgen, dass sie beim Lesen deines Dossiers nicht stehen bleiben.

Die Gegenstrategie, die Fachleute tatsächlich empfehlen

Jetzt wird es interessant, weil die Antwort nicht lautet: schreib bessere Bewerbungen.

Corina Zingg rechnet vor: «Wenn ich mich auf ein normales Inserat bewerbe, bin ich eine von fünfzig.» Ihr Rat ist, sich nicht auf Portale zu verlassen, sondern das eigene Netzwerk gezielt zu aktivieren und direkt auf Unternehmen zuzugehen.

Edgar Spieler von der Alixio Group geht weiter. Er rät, die Festanstellung gar nicht erst zum einzigen Ziel zu erklären. Projektarbeit, Mandate, eine Teil-Selbstständigkeit. Ein Portfolio aus Aufträgen statt einer einzigen Stelle.

Beide Wege haben etwas gemeinsam, das leicht zu übersehen ist: Sie führen darüber, dass jemand dich findet und auf Anhieb weiss, wer da kommt.

Das heisst: ein Profil, das aktuell ist. Ein Bild, das heute aussieht wie du. Ein Satz darunter, den jemand versteht, ohne ihn zweimal zu lesen.

Wer über das Netzwerk sucht, wird vorher angeschaut. Nicht gelesen. Angeschaut.

Im März 2020 habe ich selbst gekündigt

Ich schreibe das hier nicht als Zuschauer.

Ich war gut verdienender Angestellter im Marketing eines Grosskonzerns. Daneben führte ich seit Jahren mein Fotostudio. Zwei Leben an einem Tag mit 24 Stunden. Das ging eine Weile gut und dann nicht mehr.

Was ich wollte: beides, aber halbe-halbe. Fünfzig Prozent angestellt, fünfzig Prozent selbstständig. Dazu bereit war mein Arbeitgeber erst, als meine Kündigung schon auf dem Tisch lag. Zu spät. Ich bin jemand, der an so einem Punkt nicht zurückkrebst.

Also kündigte ich. Im März 2020. Mitten im Lockdown.

In derselben Woche brach mein Fotostudio weg. Innerhalb von zehn Tagen war meine Agenda leer, die drei bis sechs Monate im Voraus gebucht gewesen war. Stündlich kamen die Absagen. Ich sass in meinem Studio, putzte Objektive, die nicht schmutzig waren, und hatte Angst um meine Existenz.

Was dann kam, war nicht Mut. Es war eine Liste.

Ich setzte mich hin und schrieb Fragen auf. Wie lange kann das dauern. Was mache ich mit der Zeit. Was wollte ich schon immer einmal machen. Wohin zieht es mich.

Daraus wurde das Fotobuch «Lockdown»: Orte der Leere, fotografiert, als es sie zum ersten und hoffentlich letzten Mal gab. Es wurde ein Erfolg. Aus dem Stillstand wurde ein Beschleuniger. Die ganze Geschichte dazu steht im Beitrag über die Corona-Fotobücher aus der Schweiz.

Warum das trotzdem keine Mutmachgeschichte ist

Hier muss ich ehrlich sein, sonst taugt die Geschichte nichts.

Ich bin nicht aus dem Nichts gesprungen. Als ich kündigte, gab es mein Fotostudio seit Jahren. Es gab Kunden, eine Marke, Ausrüstung, Erfahrung. Was wegbrach, war ein Standbein, nicht der Boden.

Genau das ist der Punkt, auf den es mir ankommt.

Im Triathlon heisst die Stelle, an der man vom Schwimmen aufs Rad wechselt, die Wechselzone. Wer sie vorbereitet hat, verliert dort keine Sekunde. Wer erst dort anfängt zu suchen, verliert das Rennen genau da. Nicht im Wasser. In der Wechselzone.

Die meisten Menschen bereiten ihre Wechselzone vor, wenn der Wechsel schon läuft. Also dann, wenn das Geld knapp wird, die Zeit drängt und jede Entscheidung nach Notlösung aussieht.

Wenn du das hier liest und noch angestellt bist, bist du an der besten Stelle, an der man so etwas lesen kann.

Woran du in einem Jahr merkst, dass du rechtzeitig angefangen hast

Stell dir vor, es ist Herbst 2027.

Du öffnest am Sonntagabend den Kalender für die kommende Woche und liest ihn einfach durch, ohne dass sich dabei im Bauch etwas zusammenzieht. Nicht weil jede Woche grossartig ist, sondern weil du weisst, warum du das tust, was dort steht.

Jemand schreibt dir auf LinkedIn und fängt nicht mit «Guten Tag, ich habe Ihr Profil gesehen» an, sondern mit einer konkreten Frage zu etwas, das du kannst. Du antwortest und musst dich vorher nicht erklären, weil dein Profil das schon getan hat.

Du sitzt in einem Gespräch und jemand fragt nach deinem Jahrgang. Du sagst ihn, und es passiert nichts. Nicht weil die Welt sich geändert hätte, sondern weil im selben Gespräch schon klar geworden ist, was du mitbringst.

Und wenn die Lage sich doch einmal dreht, wenn eine Reorganisation kommt oder eine Abteilung verschwindet, dann ist das kein Absturz. Es ist ein Wechsel, auf den du vorbereitet bist. Du hast dann nicht nur ein Dossier. Du hast etwas, das auch ohne Arbeitgeber trägt.

Das ist der Unterschied zwischen suchen und wechseln.

Wo du anfängst, wenn du nicht weisst, wo

Die ehrlichste Antwort auf «was soll ich jetzt tun» ist selten ein Shooting und nie ein Kurs.

Es ist eine Standortbestimmung.

Dafür gibt es in der Schweiz übrigens kostenlose Angebote, die zu wenige kennen. Über viamia gibt es eine Laufbahnberatung, die nichts kostet. Das RAV finanziert Standortbestimmungs- und Bewerbungskurse, zahlt Einarbeitungszuschüsse für über 50-Jährige bis zu zwölf Monate lang und gewährt ab 55 zusätzliche Taggelder. Frag dort zuerst. Ich verkaufe dir nichts, was du gratis bekommst.

Was diese Stellen dir nicht abnehmen, ist die Frage ganz davor: ob das, was deinen Arbeitstag ausmacht, überhaupt noch zu dem passt, was dir wichtig ist. Diese Distanz hat einen Namen. Ich nenne sie die Werte-Lücke, und sie ist der Grund, warum manche Menschen auch in einer guten Stelle unzufrieden sind, ohne sagen zu können, warum.

Dafür habe ich den Werte-Kompass gebaut. Ein paar Minuten, und du hast ein Ergebnis vor dir.

Zu wissen, wie gross deine Werte-Lücke ist, bedeutet:

  • am Sonntagabend benennen zu können, welcher Teil der kommenden Woche dir Kraft nimmt, statt nur zu spüren, dass dir vor Montag graut
  • im nächsten Gespräch mit deiner Führungskraft zu sagen, was du brauchst, statt dir nachher im Auto die Sätze zurechtzulegen, die du gern gesagt hättest
  • ruhiger zu werden, weil das Unbehagen einen Namen hat und du siehst, dass es an einer Sache liegt und nicht an dir

Manche machen den Kompass und merken, dass die Lücke kleiner ist als gedacht. Dann war es eine gute Nachricht für ein paar Minuten Aufwand. Andere sehen schwarz auf weiss, was sie seit zwei Jahren ahnen. Auch das ist ein Ergebnis, und es ist ein besseres als weitere zwei Jahre Ahnung.

Meine 5W-Erfolgsformel

Als ich damals vor der Frage stand, half mir kein Ratgeber. Was half, war eine Ordnung.

Fünf Begriffe, in einer bestimmten Reihenfolge: Wohlbefinden, Wollen, Wissen, Wirkung, Wachstum. Ich nenne sie die 5W. Sie sind in den Monaten nach meiner Kündigung entstanden, und ich habe sie später aufgeschrieben, weil mich zu viele Leute gefragt haben, wie ich die Entscheidung getroffen habe.

Daraus wurde mein Buch «Mach was draus!».

Es beantwortet nicht die Frage, wie du die nächste Bewerbung schreibst. Es beantwortet die Frage davor: ob deine Anstellung noch die richtige für dich ist, und ob eine Teil-Selbstständigkeit für dich eine Option wäre oder eben nicht. Beide Antworten sind brauchbar. Die zweite spart dir unter Umständen zwei Jahre.

Der Satz, den niemand sagt

In der Recherche zu diesem Beitrag habe ich hunderte Wortmeldungen von Menschen in der Stellensuche gelesen. Klagen gibt es viele. Wünsche fast keine.

Und wenn doch einer ausgesprochen wird, dann steckt er in drei Wörtern: geschätzt werden. Nicht Traumjob. Nicht Erfüllung. Nicht Berufung. Geschätzt werden.

Dazu passt das Bild oben. Eine Hand, auf der man die Jahre sieht, hält mitten in einer Menge eine Karte hoch, auf der steht, was sonst keiner sagt.

In einem Bewerbungsverfahren wird dieser Satz nie fallen. Dort wird sortiert, nicht geschätzt. Umso mehr zählt, ob du jemanden hast, der ihn dir sagt.

Und wenn du die Festanstellung trotzdem willst

Dann ist das völlig in Ordnung, und der Weg bleibt derselbe.

Der Schweizer Outplacement-Verband meldet seit Jahren etwas, das in der Debatte untergeht: Die Mehrheit der von ihm betreuten über 50-Jährigen findet eine Stelle, und zwar etwa gleich schnell wie jüngere. Entscheidend sind laut Verband weniger die Jahre als die Haltung und das Netzwerk.

Das passt zu allem anderen hier. Es zählt, wie klar erkennbar du bist, wenn jemand nachschaut.

Dein Profilbild auf LinkedIn ist dabei kein Detail. Es ist das Erste, was jemand von dir sieht, oft bevor er deinen Namen liest. Und wenn du ein Bewerbungsfoto brauchst, dann eines, auf dem du aussiehst wie du. Nicht jünger. Erkennbar.

Wie ein vollständiges Dossier aufgebaut ist, steht im Beitrag Bewerbungsdossier Schweiz.

Ich glaube, dass das stärkste Bild von dir das ehrlichste ist.

Häufige Fragen zur Stellensuche ab 50

Soll ich ab 50 ein Bewerbungsfoto beilegen?

Ja. In der Schweiz ist das Foto üblich, und ein Dossier ohne Bild fällt negativ auf. Fachleute berichten, dass eine fehlende Angabe eher Misstrauen weckt als Neutralität. Entscheidend ist nicht, dass du jünger aussiehst, sondern dass das Bild aktuell ist und zu dir passt.

Wie alt darf mein Bewerbungsfoto sein?

Faustregel: nicht älter als zwei Jahre. Älter wird es heikel, weil die Person im Vorstellungsgespräch anders aussieht als auf dem Bild, und genau dieser Moment kostet Vertrauen. Neu machen solltest du es ausserdem immer dann, wenn sich etwas Sichtbares verändert hat: Frisur, Brille, Bart oder Gewicht. Ein Foto, das sieben Jahre alt ist, schadet mehr als gar keines.

Soll ich meinen Lebenslauf kürzen, und ab welchem Jahr?

Kürzen ja, löschen nein. Üblich ist, die letzten zehn bis fünfzehn Jahre ausführlich darzustellen und alles davor zu verdichten, etwa als eine Zeile pro Station oder als zusammengefasster Block «Frühere Tätigkeiten». Das ist etwas anderes als Verschweigen: Die Jahre bleiben sichtbar, nur die Details verschwinden. Wer ganze Abschnitte streicht, erzeugt Lücken, und Lücken werden im HR immer zuungunsten der Bewerbenden gedeutet.

Was antworte ich auf «Wie kommen Sie mit einer zwanzig Jahre jüngeren Chefin klar?»

Nicht mit einer Beteuerung, sondern mit einem Beispiel. «Gut» oder «damit habe ich kein Problem» klingt einstudiert und bestätigt den Verdacht eher, als ihn auszuräumen. Nenn stattdessen eine konkrete Situation: wer dich zuletzt geführt oder fachlich angeleitet hat, was du dabei gelernt hast, und was du selbst eingebracht hast. Wer eine Szene erzählt, muss sich nicht verteidigen.

Wie spreche ich jemanden an, zu dem ich seit Jahren keinen Kontakt hatte?

Ohne Bitte um einen Job. Die Bitte macht aus einem Gespräch unter Gleichen eine Gefälligkeit, und genau das verhindert die Antwort. Schreib stattdessen, woran du dich erinnerst, was du gerade machst, und stell eine Frage, die diese Person wirklich beantworten kann, etwa wie sich ihre Branche entwickelt. Stellen entstehen in solchen Gesprächen meist erst im zweiten oder dritten Schritt.

Was ist der verdeckte Arbeitsmarkt?

Alle Stellen, die nie ausgeschrieben werden, sondern über Kontakte, Empfehlungen und Direktansprache besetzt werden. Fachleute empfehlen gerade älteren Stellensuchenden, sich darauf zu konzentrieren: Auf ein Inserat bewirbt man sich als eine von fünfzig, über das Netzwerk als die Person, die jemand bereits kennt.

Ist Altersdiskriminierung in der Schweiz verboten?

Die Bundesverfassung verbietet Diskriminierung wegen des Alters, es fehlt aber ein entsprechendes Gesetz für den Arbeitsmarkt. Anders als in der EU bleiben Altersangaben in Stelleninseraten deshalb folgenlos. Arbeitsrechtsprofessor Kurt Pärli dazu: «Der Arbeitgeber trägt in dieser Hinsicht kein Risiko.»

Lohnt sich eine Selbstständigkeit ab 50 noch?

Fachleute raten inzwischen dazu, die Festanstellung nicht als einziges Ziel zu setzen, sondern auch Projektarbeit, Mandate oder eine Teil-Selbstständigkeit zu prüfen. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Wer vorbereitet, solange er noch angestellt ist, hat Spielraum. Wer erst anfängt, wenn das Geld knapp wird, entscheidet unter Druck.

Alex Lörtscher
Fotograf, Mentor, Inhaber StarWin GmbH, Uster

Alex Lörtscher ist Fotograf, Mentor und Inhaber der StarWin GmbH in Uster. Er hat im März 2020 seine Anstellung gekündigt und aus dem Lockdown heraus sein Fotogeschäft zum Hauptberuf gemacht. Sein Buch «Mach was draus!» beschreibt die 5W, die ihm dabei die Ordnung gaben.

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